© Alex Phenlon

Die Karriere des jungen deutschen Dirigenten Jens Georg Bachmann erstreckt sich gleichermaßen über Europa und Nordamerika. Geboren in Berlin, studierte er zunächst an der dortigen Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Dirigieren und Violine, bevor er an die Juilliard School in New York ging.

Jens Georg Bachmanns Karriere begann als Assistent von James Levine bei den Münchner Philharmonikern, der ihn alsbald mit der Aufgabe betraute, das UBS Verbier Festival Orchestra künstlerisch aufzubauen, einzustudieren und von 2002 bis 2004 zu betreuen. Bachmann leitete das Orchester in Konzerten in Verbier und auf der EXPO 02. Von 2001 bis 2003 war Bachmann außerdem stellvertretender Chefdirigent des Fort Worth Symphony Orchestra, das er in mehr als zwanzig Konzerten pro Saison leitete. Hiernach übernahm er für ein Jahr die Leitung des Texas Chamber Orchestra, eines professionellen Kammerorchesters in Dallas.

Von 2004 bis 2007 war er Assistant Conductor beim Boston Symphony Orchestra, das er wiederholt in Abonnementskonzerten und auf dem Tanglewood Festival mit Radio Liveübertragungen leitete. Für sein kurzfristiges Einspringen für den verletzten James Levine beim Boston Symphony Orchestra schrieb der Boston Globe „selbst die erfahrensten Dirigenten würden davor zurückschrecken, Beethovens Neunte ohne Probe aufzuführen, aber Bachmann ging aus dieser Feuerprobe bemerkenswert hervor.“ Außerdem berief Levine ihn zu seinem Assistenten an der Metropolitan Opera in New York, wo Bachmann in der Spielzeit 2006/07 sein Debüt mit Die Zauberflöte gab. In der folgenden Spielzeit wurde er für das Dirigat von Lucia di Lammermoor und in der Saison 2009/10 für Der Rosenkavalier wiederverpflichtet.

Von 2007 bis 2009 hatte er eine Position als Chefassistent von Christoph von Dohnányi beim NDR Sinfonieorchester in Hamburg inne, welches er mehrfach in verschiedenen öffentlichen Konzertreihen und für Rundfunkaufnahmen dirigierte.

Neben dem NDR Sinfonieorchester und der Metropolitan Opera New York führen ihn weitere Dirigate in den kommenden Spielzeiten u.a. an die Royal Swedish Opera Stockholm für Le Nozze di Figaro sowie zum Florida Orchestra, zum Gävle Symfoniorkester und zur NDR Radiophilharmonie Hannover.

Nach drei erfolgreichen Sinfoniekonzerten auf dem Crested Butte Music Festival in Colorado im Sommer 2009 wurde Jens Georg Bachmann dort bis 2012 zum Music Director ernannt. In dieser Funktion übernahm er die Planung und Leitung der Sinfoniekonzerte sowie Meisterklassen für die Sängerakademie des Festivals.

Weitere regelmäßige Auftritte auf Festivals fanden in Verbier und Tanglewood sowie im Sommer 1998 beim OK Mozart Festival in Oklahoma statt.

Bachmann ist in Oper und Konzert gleichermaßen zu Hause. Neben seinen Dirigaten beim Boston Symphony Orchestra, dem NDR Sinfonieorchester Hamburg und der Metropolitan Opera New York stand er unter anderem am Pult des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, der Royal Swedish Opera, leitete wiederholt Konzerte mit den Berliner Symphonikern, den Hamburger Symphonikern, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Philharmonischen Staatsorchester Halle (Staatskapelle Halle) und Sinfonie-Orchester Wuppertal, gastierte bei den Düsseldorfer Symphonikern, dem New Haven Symphony und dem Princeton Symphony Orchestra. Er war Gastdirigent an der Deutschen Oper am Rhein für Schwanensee, an der Staatsoper Nürnberg für Werther und L’Elisir d’Amore sowie in den letzten drei Spielzeiten an der Staatsoper Stuttgart für Die Zauberflöte und Der Freischütz. Sein professionelles Operndebüt gab er im Alter von 24 Jahren im Rahmen der Berliner Festwochen an der Komischen Oper Berlin in einer Produktion von La Vie Parisienne/Zwei Berliner in Paris. An der Berliner Staatsoper Unter den Linden leitete er im Apollosaal Richard Strauss’ Spätwerk Des Esels Schatten.

Besonderes Engagement hegt Jens Georg Bachmann auch gegenüber dem „Education“-Bereich, dem Heranführen von jungem oder unerfahrenem Publikum an klassische Musik. So konzipierte und leitete er Konzertreihen und –programme dieser Art mit dem Fort Worth Symphony Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra, dem NDR Sinfonieorchester, der NDR Radiophilharmonie Hannover und dem Sinfonie-Orchester Wuppertal und war maßgeblich daran beteiligt, erstmalig eine englischsprachige Kurzfassung einer Oper für Familien an der Metropolitan Oper New York herauszubringen. Darüber hinaus baute er einen Opernkinderchor für das Crested Butte Music Festival auf, das Kindern ermöglicht, durch Gesang und Schauspiel, jeden Sommer Teil einer professionellen Opernproduktion zu werden.

So bilden in der Saison 2011/12 und 2012/13 die Musikerziehung und Lehre einen willkommenen Schwerpunkt: Jens Georg Bachmann wurde für die Spielzeiten 2011/12 und 2012/13 zu einem mehrmonatigen Lehrauftrag an die New York University (NYU) gerufen, wo er Sinfoniekonzerte und Musikseminare leitet. Eine weitere Einladung dieser Art erfolgte darüber hinaus an die Manhattan School of Music. Die Musikhochschule Lübeck lud Bachmann ein, im April 2012 die Eröffnungskonzerte des 10. Brahms-Festivals zu dirigieren.

Mentoren spielten eine wesentliche Rolle in Jens Georg Bachmanns Karriere. Der Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra Alan Gilbert lud ihn (als ehemaliger Künstlerischer Leiter) zum Royal Stockholm Philharmonic Orchestra ein, Andrey Boreyko holte Bachmann insgesamt vier Mal als Gastdirigent zu den Hamburger Symphonikern (Bachmann eröffnete u.a. deren erste USA-Tournee im Januar 2007), GMD Manfred Honeck holte Bachmann wiederholt an die Staatsoper Stuttgart, James Levine berief Bachmann zum Boston Symphony Orchestra und an die Metropolitan Opera New York und Christoph von Dohnányi zum NDR Sinfonieorchester Hamburg. Die Mentorenschaft von James Levine wurde zu einer der künstlerisch prägendsten für Bachmann. Über einen mehrjährigen Zeitraum beschäftigte Levine Bachmann intensiv an den genannten Institutionen mit breitgefächertem Orchester- und Opernrepertoire sowie mit aufbauender, langfristiger Orchester-, Chor- und Sängerarbeit. Vor allem die Verbindung von vokaler und orchestraler Arbeit wurde für Bachmanns Wirken als Dirigent maßgebend. Außerdem verbindet Bachmann ein mehrjähriger künstlerischer Kontakt zu Kurt Masur, mit dem er seit seiner Studienzeit in New York mehrfach zusammengearbeitet hat. Als Student an der Juilliard School nahm Bachmann zudem an Meisterkursen mit Leonard Slatkin, Sir Colin Davis, Simone Young und Krzyztof Penderecki teil.

Jens Georg Bachmann ist mit großen musikalischen Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit aufgetreten. So unter anderem mit den Geigern Pinchas Zukerman und Daniel Hope, mit den Pianisten Marc-André Hamelin und Andreas Haefliger; zu den Sängern gehören Renée Fleming, Natalie Dessay, Christine Brewer, Jill Grove, Marcello Giordani, Clifton Forbis, Matthew Polenzani, Jonas Kaufmann, Nathan Gunn, Mariusz Kwiecien, John Relyea und Albert Dohmen. Bachmann leitete außerdem die amerikanische Orchesterpremiere des musikalischen Komödiantenduos Igudesman & Joo im Sommer 2011.

Komponisten, mit denen er zusammengearbeitet und deren Werke er (ur-) aufgeführt hat, sind unter anderem Charles Wourinen, Michael Gandolfi, Yehudi Wyner, Victoria Borisova-Ollas, Peter Michael Hamel, Ulrich Leyendecker, Elmar Lampson, Daniel Schnyder, Wolfgang-Andreas Schultz und Eunyoung Esther Kim.

Jens Georg Bachmann lebt zur Zeit mit seiner Frau und seinem Sohn in Deutschland und New Jersey (USA).

2012/13 Biographie.